Wenn Wein lange offen steht ...
Bleibt Wein lange offen an der Luft stehen, schmeckt er sauer.
Es ist Essig (systematischer Name: Ethansäure) entstanden.
CH3CH2OH + O2 → CH3COOH + H2O
In der Lebensmittelindustrie stellt man Essig in riesigen Holzfässern her, die Holzspäne enthalten, die wiederum mit Essigbakterien besiedelt sind. So gewonnener Speiseessig enthält ca. 6% Essigsäure und viele Aromastoffe.
Die wässerige Lösung von Essigsäure, also Essig, verhält sich wie eine "klassische" Säure (siehe 9. Klasse):
- Der Universalindikator färbt sich rot: Hinweis auf Wasserstoff-Ionen.
- Die Lösung leitet den elektrischen Strom: Hinweis auf das Vorhandensein von frei beweglichen Ionen.
In wässriger Lösung liegen die Alkansäuren also dissoziiert vor. Wie bei allen Säuren nach Arrhenius entstehen dabei die Wasserstoff-Ionen, die für alle Säureeigenschaften verantwortlich sind, und der Säurerest der Essigsäure: Das Acetat-Ion.
CH3COOH
CH3COO-(aq) + H+(aq)
Speiseessig hat einen pH-Wert von 3.
Essig im alten Rom
Essig - ein Erfrischungsgetränk im alten Rom
Essig wurde im alten Rom als Erfrischungsgetränk benutzt. Die Soldaten hatten ein Gemisch aus Essig und Wasser in ihren Feldflaschen, um das oft verschmutzte Wasser zu desinfizieren. Essig wurde oft in Bleitöpfen aufbewahrt. Essig reagiert mit Blei zu Bleiacetat. Dieses Salz der Essigsäure ist in Wasser gut löslich, schmeckt süß und wird deshalb als Bleizucker bezeichnet. Allerdings ist es giftig.
Da man in den Skeletten und Zähnen der alten Römer viel Blei gefunden hat, nimmt man heute an, dass eine allgemein verbreitete Bleivergiftung der Bevölkerung mit zum Untergang des römischen Reiches beigetragen hat. Noch im Mittelalter wurde Bleizucker zum Süßen verwendet. Außer Honig hatte man einfach keine anderen Möglichkeiten zum Süßen.
Essigsaure Tonerde
Essigsaure Tonerde
Aluminiumacetat wird als altes Hausmittel für Umschläge genutzt. Da es desinfizierend und entzündungshemmend wirkt, fördert es die Wundheilung.
Entkalken mit Essig
Entkalken mit Essig
Essigsäure reagiert mit Kalk (Calciumcarbonat) zu wasserlöslichem Calciumacetat und Kohlensäure, die zu Wasser und Kohlenstoffdioxid zerfällt.
2 CH3COOH + CaCO3 → Ca2+(CH3COO-)2 + H2O + CO2 ↑
Mit Essig bekommt man also Kalkränder sehr gut weg (Kaltentkalken). Allerdings greift Essigsäure Kupfer und Chrom an. Deshalb benutzt man zum Kaltentkalken oft Citronensäure.
Molekülstruktur von Ethansäure:

Beim rechten Bild ist der Platz verdeutlicht, den die nicht bindenden Elektronenpaare benötigen.
[Mit dem Struktomat erstellt]
Ethanol lässt sich über das Ethanal (Acetaldehyd) bis zur Ethansäure (Essigsäure) oxidieren:
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